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Stadtansicht von Bad Mergentheim

Erneuerbare Energie?
Nein Danke!

Den Slogan der Anti-Atomkraft-Bewegung der 80er Jahre hat man in Bad Mergentheim nicht vergessen. Nur wird er hier nicht auf Atomstrom bezogen, sondern auf die erneuerbaren Energien! Allen anderslautenden Lippenbekenntnissen zum Trotz wird die Nutzung erneuerbarer Energien in Bad Mergentheim nämlich nicht gefördert, sondern behindert.

Beispiel: Windkraft

Während in den Nachbarkommunen mehr und mehr Windräder aufgestellt werden, die nicht nur umweltfreundlichen Strom produzieren, sondern lokale Wertschöpfung und Steuereinnahmen schaffen, sind Oberbürgermeister Dr. Barth und die Mehrheit des Gemeinderats stolz darauf, Windkraftanlagen auf der Gemarkung von Bad Mergentheim verhindert zu haben. Die Blockade wurde zynischer Weise damit bewerkstelligt, dass ein Vorranggebiet für die Nutzung der Windkraft ausgewiesen wurde. Dies hat zur Folge, dass Windräder nur noch in diesem Areal aufgestellt werden dürfen, alle anderen Standorte sind tabu! Die Nabenhöhe der Anlagen wurde im Vorranggebiet auf 50 Meter beschränkt. Das macht die Windkraft so unwirtschaftlich, dass niemand mehr daran denkt, hier zu investieren.

Die Windkraft-Gegner stören sich am Anblick der Windräder. An neuen Straßen, z.B. der höchst umstrittenen Südumgehung, stören sie sich dagegen nicht. Auch das Hochregallager der Firma Würth, das mit seinen 90 Metern Länge und 45 Metern Höhe vom Taubertal aus weithin sichtbar ist, fand problemlos Zustimmung.

Beispiel: Wasserkraft

Private Investoren wollten die Kraft der Tauber zur abgasfreien Stromerzeugung nutzen. Zur Verhinderung dieses Projektes mussten die Heilquellen herhalten. Der Landesgeologe äußerte die Befürchtung, dass durch den Einbau einer Turbine neben dem Wehr am Schellenhäusle die Heilquellen negativ beeinflusst werden könnten. Als die Investoren daraufhin eine Planung vorlegten, die ohne Eingriff in den Untergrund auskam, wurde die Ablehnungsbegründung an den Haaren herbei gezogen, dass der Beton des Wehrs zu schwach sein könnte, um die Anlage zu tragen. Diese Expertise hat wohlgemerkt kein Bauingenieur oder Statitiker abgegeben, sondern ein Geologe. Dem Gemeinderat genügte dies für seine Ablehnung des Bauvorhabens.

Beispiel: Fotovoltaik

Fotovoltaik-ModuleDie Lokale Agenda 21 hatte erreicht, dass der Gemeinderat beschloss, städtische Dachflächen für privat Fotovoltaik-Anlagen kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Entsprechende Anfragen von Investoren wurden von der Stadtverwaltung jedoch einfach nicht beantwortet. Schließlich stellte Stadtrat Hariolf Scherer im Gemeinderat den Antrag, diesen Beschluss wieder aufzuheben und Dachmiete zu verlangen.

Was steckt hinter der Blockadepolitik?

Bürgerinnen und Bürger, die in Bad Mergentheim erneuerbare Energien nutzen und voran treiben wollen, fragen sich kopfschüttelnd, welche Motive hinter dieser Verhinderungspolitik stecken mögen. Es liegt in der Natur der Sache, dass Motive nicht offen gelegt werden. Wir erlauben uns deshalb, Vermutungen anzustellen:

Manche Gegner mögen die erneuerbaren Energien mit politischen Positionen und Personen assoziieren, die sie emotional ablehnen. Sie sind aus ideologischen Gründen gegen "grünen" Strom, weil er seit vielen Jahren von der Umweltbewegung und den Grünen gefordert wird.

Hinter der Blockadepolitik könnten aber auch andere Motive stecken. Das Stadtwerk Tauberfranken ist nach dem Erneuerbare Energien Gesetz des Bundes verpflichtet, den regenerativ erzeugten Strom abzunehmen. Finanziell ist das zwar keine Belastung für das Stadtwerk, weil die erhöhten Kosten auf alle Stomkunden in Deutschland gleichmäßig verteilt werden. Weil es den sauberen Strom aber dennoch nicht abnehmen möchte, versucht das Stadtwerk seit vielen Jahren, den umweltbewussten Stromerzeugern mit verschiedensten Mitteln Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Manche Bürgervertreter scheinen sich die Wünsche des Stadtwerks zu eigen zu machen.

20.09.2008